Ravensbrück-Retreat für Frauen

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auf dem Gelände des ehemaligen Frauenkonzentrationslager Ravensbrück 29. Mai bis 2. Juni 2017

Kernbestandteil der nationalsozialistischen Ideologie war die Vernichtung „unwerten“ Lebens. Im Lauf der nationalsozialistischen Herrschaft wurde eine Maschinerie der Ausbeutung und Vernichtung von Menschen durch ein Netz von Konzentrationslagern aufgebaut. In Ravensbrück wurde von den Nazis das größte Frauenkonzentrationslager eingerichtet. Die nach Ravensbrück Deportierten stammten aus über 40 Nationen. Hier wurden Frauen, die politisch aktiv und im Widerstand waren, die als Künstlerinnen, Politikerinnen, Schriftstellerinnen tätig waren, aber auch Jüdinnen, Sinti und Roma interniert.

Die Geschichte der Frauen wird seit der modernen Frauenbewegung der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts erforscht. Frauen haben erkannt, dass sie ihren eigenen Blick auf die Geschichte benötigen und damit einen Blick auf IHRE Geschichte. Wenn wir unserer weiblichen Vorfahren gedenken, machen wir uns damit vertraut, dass wir in einer Linie von Frauen stehen. Wir werden uns unserer Vielfalt bewusst durch die unterschiedlichen Rollenbilder im eigenen Geschlecht. Viele Frauen vor uns haben den Boden bereitet, auf dem wir nun stehen und unser Leben leben.

Frauen in Ravensbrück

Ein Teil unserer Geschichte sind die Frauen in Ravensbrück. Die, die ermordet wurden weil sie Widerstand geleistet haben, Lebensentwürfe hatten, die im Nationalsozialismus als verwerflich angesehen wurden, durch Zufall in die Vernichtungsmaschinerie dieses lebensfeindlichen Systems gerieten oder einer von den Nationalsozialisten als „lebensunwert“ angesehenen Gruppe von Menschen angehörten.

Und auch die Frauen sind Teil unserer Geschichte, die dem System gedient haben, selbst ein Teil des Vernichtungssystems wurden, die sich haben vereinnahmen lassen und aktiv mitgemacht haben. Der Nationalsozialismus hat viele Wunden hinterlassen, gesellschaftliche und individuelle. Scham, Schuldgefühle, Abwehr, Verharmlosung, Verleugnung, Schuldzuweisungen, Wegschauen wollen sind noch heute die Folgen.

Bei allen Formen der Auseinandersetzung geht es auch immer um den Versuch einer Erklärung, wie es „dazu“ kommen konnte. Wie wurden ganz normale Menschen zu Mördern von hilflosen Frauen, Kindern, Männern? Welche Bedingungen spielten eine Rolle? Ist dieses Böse die Ausnahme, das ganz Andere? Und was hat das heute mit uns in unserer aktuellen Lebenssituation und mit gesellschaftlichen Entwicklungen zu tun? Welche Formen des Gedenkens ermutigen uns zu selbstbestimmtem, verantwortlichem, wachem Handeln, individuell und gesellschaftlich? Wie die Sprachlosigkeit überwinden angesichts der unvorstellbaren Grausamkeiten, die Menschen anderen Menschen angetan haben?

Bei dem Retreat wird es weniger darum gehen, Antworten zu geben, als vielmehr, den Fragen in ihrer Vielschichtigkeit nachzugehen und uns ihnen auszusetzen. Wir werden uns mit dem konfrontieren, was uns Angst macht und was wir sonst wegschieben und verdrängen.

Wir werden uns im Verlauf des 5-Tages-Retreat dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück auf verschiedenen Arten nähern.

Ravensbrück Gelände

Es wird täglich Zeiten der Stille und Meditation auf dem Lagergelände geben.
Wir werden der Frauen, die ermordet worden sind, deren Namen bekannt sind oder die vergessen wurden, gedenken.
Wir werden uns mit Überlebenden zum Gespräch treffen und uns von Ihnen ihre Geschichte erzählen lassen.
MitarbeiterInnen der Gedenkstätte werden uns zu einzelnen Fragen und Themenkomplexen, wie z.B. der Verfolgung von lesbischen Frauen, der Geschichte des Lagers, der Vernichtung von Mädchen und Jugendlichen, Auskunft geben.
Wir werden uns täglich zu Kreisgesprächen treffen, um das Erlebte und Erfahrene zu teilen.

Das Retreat findet auf dem Gelände des ehemaligen Lagers statt. Der Ablauf und die einzelnen Einheiten sind inspiriert von den Retreats von Sylvia Wetzel und den Auschwitz-Retreats der Zenpeacemaker mit Bernie Glassman.
Das Retreat findet teilweise im Schweigen statt.
Teilnehmen können alle Frauen, unabhängig von religiösem Hintergrund, Meditationserfahrung etc. Untergebracht sind wir für die Zeit des Retreats in der Jugendherberge Ravensbrück.

Wenn Sie sich für dieses Retreat interessieren, wenden Sie sich für Informationen und bei Fragen bitte an Katharina Schmidt info@katharina-schmidt.org oder Lily Besilly info@besilly.de wenden.

Kursleitung

Lily Besilly wurde in Westfalen geboren, hat Germanistik und Philosophie studiert und eine Ausbildung zur Schnittmeisterin gemacht. 2008 wurde sie von Sylvia Wetzel zur Meditationslehrerin autorisiert. Sie gibt Meditationskurse unter anderem zur Grünen Tara, einer weiblichen Buddha. Neben ihrer langjährigen Auseinandersetzung mit Kunst und Buddhismus ist ihr das Lernen und Lehren unter Frauen ein besonderes Anliegen. Sie beschäftigt sich dabei vor allem auch mit der Verbindung von neuen Kommunikationsformen wie der Gewaltfreien Kommunikation mit buddhistischen Ansätzen und deren konkrete Umsetzung im gelebten Frauenalltag.

Katharina Schmidt ist seit vielen Jahren Schülerin von Sylvia Wetzel und unterstützt sie seit 2009 als Assistentin bei Kursen. Sie setzt sich intensiv mit Spiritualität, westlicher Psychologie und Feminismus auseinander. 2010 nahm sie teil am Auschwitz-Retreat der Zenpeacemaker. Seit vielen Jahren setzt sie sich mit den Folgen des Holocaust auseinander. Durch ihre Arbeit als Sozialpädagogin hat sie Erfahrungen in der Arbeit mit traumatisierten Menschen in verschiedenen Bereichen der Sozialpsychiatrie gesammelt, die sie in Verbindung bringt mit buddhistischen Übungswegen.

Mariola Wereszka ist Schülerin von Malgosia Roshi in der Kanzeon Sangha, Polen. Seit vielen Jahren arbeitet sie bei den Zen Peacemakern mit und seit 2007 ist sie im Leitungsteam der Bearing Witness-Retreats in Auschwitz. 2010 und 2011 hat sie an interreligiösen Konferenzen in Amman und Lublin teilgenommen. In der Arbeit als Psychotherapeutin und Coach hat sie seit 10 Jahren Erfahrung. Sie lebt in Krakau.

Organisatorisches

Das Retreat wird zum Teil in englischer Sprache stattfinden. Einfache Sprachkenntnisse sind völlig ausreichend!

Kosten:
Kursgebühr: 100,00 €
Übernachtung und Verpflegung: 132,00 €

Dana nach Selbsteinschätzung für die Kursleitung: (Empfehlung: 150,00 – 300,00 €)

Anmeldung unter Katharina Schmidt info@katharina-schmidt.org oder mit einem Anmeldeformular, das Sie als PDF-Dokument herunterladen können. Bitte hier klicken.

Wir bitten um Anmeldungen bis 31. März 2017, da wir Plätze in der Jugendherberge reservieren müssen!
Vielen Dank.

Zeiten und Anfahrt:
Das Retreat beginnt am Montag, 14.00 Uhr und endet am Freitag mit dem Mittagessen.
Anreise bereits am Sonntag ist nach Absprache möglich.
Anreise: mit der Bahn bis Bahnhof Fürstenberg/Havel. Von da 25min zu Fuß bis zur Jugendherberge oder mit dem Taxi.
Weitere Informationen unter www.ravensbrueck.de.

Nach Anmeldung verschicken wir weitere Informationen.